Demoprojekt zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln in Dietmannsried (Lkr. Oberallgäu) und Kempten (Allgäu)
Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln am Beispiel von Mais

Teilnehmer des Feldtages begutachten den Maisschauversuch von Betrieb Jürgen WiedemannZoombild vorhanden

Maisschauversuch

Der Bayerische Landtag hat im Sommer 2019 im Zuge des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" die Halbierung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel (als anzustrebendes Ziel) bis 2028 beschlossen.

Bereits im Jahr 2021 konnten die landwirtschaftlichen Betriebe dann erstmals im Rahmen der Antragstellung zu den Agrarumweltmaßnahmen einen Ausgleich in Höhe von 80 €/ha für bestimmte Ackerkulturen beantragen. Auch im Rahmen der neuen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2023 wird der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ein wesentliches Element sein.

Vor diesem Hintergrund hat das AELF Kempten (Allgäu) zwei Schauflächen zur Pflanzenschutzmittelreduktion im Maisanbau angelegt – eine in Dietmannsried (Betrieb Wiedemann) und eine in der Stadt Kempten (Betrieb Bayrhof). Die Schauflächen bestehen jeweils aus einer Nullparzelle (ohne Unkrautbekämpfung), einer Variante, in der eine praxisübliche Unkrautbekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln durchgeführt wird, einer rein mechanisch bearbeiteten Parzelle (Hacken) sowie einer Parzelle mit reduziertem Pflanzenschutzmitteleinsatz inkl. zusätzlichem Hackvorgang. Das Demoprojekt soll aufzeigen, wie die Reduktion von chemisch synthetischen Pflanzenschutzmitteln mit praxistauglichen Maßnahmen erreicht werden kann. Die Ergebnisse des Demoprojektes wurden am 7. Juli 2022 im Rahmen eines Schautages der Öffentlichkeit präsentiert.

Beurteilung der Ergebnisse der Schauversuche durch AELF:

Maisparzelle mit viel UnkrautZoombild vorhanden

Nullparzelle

Nullparzelle: betriebsübliche Düngung, ohne Pflanzenschutz
sehr hoher Unkrautdruck
Leitunkräuter bei Betrieb Wiedemann: z. B. Vogelmiere, Hühnerhirse, Ackerhellerkraut etc.
Leitunkräuter bei Betrieb Bayrhof: Ackersenf, Hühnerhirse, Franzosenkraut, Weißer Gänsefuß etc.
Maisparzelle mit sehr wenig UnkrautZoombild vorhanden

Chemische Variante

Variante betriebsüblich (mit Pflanzenschutzmittel PSM)
Beste Wirkung gegen Unkräuter. Ungräser wie Hühnerhirse zunehmend problematisch; sie erfordern i.d.R. den Einsatz Terbuthylazinhaltiger PSM – (Gewässerschutzauflagen zu beachten!). Wo deren Einsatz möglich ist, sind sie eine kostengünstige und breit wirksame Alternative gegen dikotyle Unkräuter. Durch ihre Dauerwirkung auch gegen nachauflaufende Unkräuter sind sie für niederschlagsreichere Anbauregionen besonders geeignet. Seit dem Jahr 2022 ist allerdings zu beachten, dass Terbuthylazin-haltige Präparate nur noch alle drei Jahre auf derselben Fläche eingesetzt werden dürfen.
Variante: Hacken 1 bis 2 Mal
Zwischen Reihe Unkrautdruck gut eingedämmt; aber in der Reihe Unkräuter wie Vogelmiere, Ackersenf nicht reduzierbar (Unkräuter wachsen dadurch schon wieder zwischen die Reihen von in der Reihe kommend)
Ggf. nächstes Mal: zusätzliches Blindstriegeln + zusätzlicher Striegeleinsatz oder weitere/zusätzliche Hacktechniken (Schar-/Rollhacke o.ä.) erforderlich
Wetter dieses Jahr zum Hacken in unserem Gebiet schwierig; durch Regentage und anfangs wenige „trockene“ Tage im Frühjahr; Unkräuter daher teils sehr schnell gewachsen; bei Hackvorgang wurden zum Teil die Schare verstopft.

Betrieb Wiedemann

Betrieb Bayrhof

Maisparzelle mit sehr wenig UnkrautZoombild vorhanden

Ergebnis Kombination

Variante: reduzierter PSM-Einsatz + Hacken
Ähnliches Ergebnis wie bei betriebsüblicher Variante; teils aber noch Unkräuter vorhanden
Kritisch: möglicherweise Resistenzgefahr durch reduzierten PSM-Aufwand

Fazit

  • Sä- und Hacktechnik muss gut miteinander abgestimmt sein (RTK-Spurführung), um Schädigung der Maispflanzen durch Hacken zu reduzieren.
  • Neue Hacktechnik (kameragestützt) eröffnet neue Möglichkeiten.
  • Kombination Hacken mit Bandspritzung erscheint erfolgversprechend (Einsparung PSM um 2/3), Technik war nicht verfügbar!
  • Zeitpunkt Hacken witterungsabhängig
  • Zusätzlicher Striegeleinsatz (u. a. Blindstriegeln) kann Beikräuter in der Reihe besser regulieren als reine Hacktechnik.
  • Erfahrungsaustausch mit anderen LW sinnvoll (vs. Ökolandbau Mais)
  • Reduzierter PSM-Einsatz: Resistenzgefahr vermutlich steigend über die Jahre.

Bei Fragen zum Demoprojekt wenden Sie sich bitte an:

Julia Sommer
AELF Kempten (Allgäu)
Adenauerring 97
87439 Kempten (Allgäu)
Telefon: 0831 52613-1236
Fax: +49 831 52613-1444
E-Mail: Poststelle@aelf-ke.bayern.de