16. BWO-Beiratssitzung in Weiler Simmerberg
Bergwaldoffensive heute wichtiger denn je

Gruppenfoto der Teilnehmenden der 16. BWO-Beiratssitzung

Die Teilnehmenden der 16. BWO-Beiratssitzung

Es war eine Katastrophe, als Orkantief Vaia im Oktober 2018 über die Wälder rund um die Gemeinde Weiler-Simmerberg im Landkreis Lindau hinwegfegte. Vaia knickte die Bäume an der beliebten Hausbachklamm ab wie Streichhölzer oder entwurzelte diese komplett. Sie stürzten in die Klamm, wo sie sich meterhoch auftürmten. Förster Florian Schwarz von der Bergwaldoffensive (BWO) am AELF Kempten erinnert sich: „Die Klamm drohte dadurch zu verklausen. Dem Ort Weiler drohte große Gefahr.“

Schnell waren die Förster der BWO vor Ort. Denn der Raum Weiler ist schon seit 2014 BWO-Projektgebiet. Zu der drohenden Verklausung kam ein weiteres Problem. Das viele Fichtenholz bot idealen Brutraum für den Borkenkäfer. Der beliebte Wanderweg durch die Hausbachklamm – ein Teil des Premiumwanderwegs „Wandertrilogie Allgäu“ - war darüber hinaus zum Teil zerstört und unbegehbar.

16. BWO-Beiratssitzung in Weiler Simmerberg

Bei der 16. BWO-Beiratssitzung standen die Beiratsmitglieder nun wieder in der Hausbachklamm und bestaunten einen gut strukturierten Bergmischwald aus Fichte, Weißtanne, Buche und Bergahorn in allen Altersstufen. Ein Wald, der künftig solchen Stürmen wie Vaia besser standhalten soll, als eine reine Fichtenmonokultur. Förster Florian Schwarz wies besonders auf den hohen Weißtannenanteil hin. Diese Aspekte seien entscheidend für die Anpassungsfähigkeit der Wälder an die Auswirkungen des Klimawandels: Das Risiko werde durch die verschiedenen Baumarten gestreut. Die Weißtanne könne durch ihre Schattenverträglichkeit schon früh unter dem Schirm der Altbäume heranwachsen, um so die nächste Waldgeneration zu sichern. Zudem verleihe der Strukturreichtum hinsichtlich Alter und Durchmesser der Bäume dem Bestand Stabilität gegenüber Sturmwurf und erhöhe die Biodiversität.

Jagdliche Situation im Projektgebiet

Schwarz informierte auch über die jagdliche Situation im Projektgebiet Salmersberg/Hausbachklamm. „Die Jagd wird überwiegend in Eigenbewirtschaftung ausgeübt. Die Wildverbiss-Situation wird jährlich durch ein Monitoring überprüft und hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Besonders die verbiss-empfindliche Weißtanne kann ohne nennenswerte Verbiss-Probleme aufwachsen.“ Dies sei die Grundlage für den Erhalt der Plenterwälder im Projektgebiet, die durch ihre Stabilität und ihren Strukturreichtum bestmöglich auf zukünftige klimatische Herausforderungen vorbereitet seien.

BWO ermöglicht Zuschuss bei hohen Projektkosten

Bürgermeister Tobias Paintner bedankte sich für die großartige Unterstützung, die die BWO 2018 nach Vaia geleistet habe. 1.300 Festmeter Schadholz seien besitzübergreifend mithilfe eines Seilkrans und Schlepperbringung aus der Hausbachklamm geborgen und aufgearbeitet worden. Finanziell wurde das Projekt aufgrund der hohen Bringungskosten und der Gemeinwohlleistung von der BWO bezuschusst. Insgesamt entstanden Kosten von 80.736 Euro. Dank der Förderung durch die BWO und einem Zuschuss des Marktes Weiler Simmerberg von rund 8.000 Euro mussten die 16 Waldbesitzer nur mehr 12.252 Euro stemmen. Einer der betroffenen Waldbesitzer, Martin Egger aus Weiler, bedankte sich überschwänglich bei den BWO-Förstern: „Allein hätten wir das nicht hingekriegt“.

Bilanz und Blick in die Zukunft

Im historischen Rathaus in Weiler zog der BWO-Beirat dann Bilanz und blickte in die Zukunft: „Seit knapp einem Jahr habe man sich persönlich nicht mehr treffen können“, bedauerte Beiratsvorsitzender Toni Klotz und freute sich umso mehr über dieses Präsenztreffen. Bereits vor 14 Jahren sei von der Bayerischen Staatsforstverwaltung erkannt worden, dass man sich besonders um die Monokulturen in Schutzwaldregionen kümmern müsse und diese zeitnah in klimaresistente Bergwälder umbauen. „Auch wenn in den ersten Jahren manche das Ganze sehr skeptisch gesehen haben, hat sich heute in der öffentlichen Wahrnehmung unglaublich viel gewandelt. Wir stehen mitten in der Klimakrise und alle merken, dass die Arbeit, die wir hier leisten, existenziell wichtig ist.“ Mittlerweile haben man ein festes Team und würde mit so viel Finanzmitteln ausgestattet, dass die BWO das, was sie vorhat, auch umsetzen kann. „Wir müssen unsere Arbeit in Zukunft noch intensivieren“, so Klotz.
BWO-Chef Klaus Dinser vom AELF Kempten betonte in seinem Sachstands-Bericht: 2021 haben wir knapp 663.000 Euro in die Projektgebiete investiert und insgesamt 205 Maßnahmen durchgeführt. Seit der Gründung der BWO im Jahr 2014 sind 9,3 Millionen Euro in etwa 2.500 Maßnahmen gesteckt worden. Ein detaillierter Blick auf die Maßnahmen zeigt dabei: 86 von 200 Maßnahmen waren Waldbaumaßnahmen, 31 Beratungsmaßnahmen, der Rest Öffentlichkeitsarbeit. Denn auch diese spiele, so Dinser, in der heutigen Zeit eine enorme Rolle. „Wir müssen die Menschen für die Probleme unserer Bergwälder sensibilisieren“. Dabei setze man auf zwei Schienen. Zum einen das Magazin „Bergwald. Allgäu“ mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren. Neu dabei sei diesbezüglich Kooperation mit dem Ostallgäu berichtet BWO-Förster Moritz Teufel: „Der Leser findet in dem Heft einen bunten Strauß an Themen, fachlichen Informationen gemischt mit emotionalen Waldbildern.“ Wöchentlich gebe es zudem Social-Media Auftritte.

Erschließen jüngerer Zielgruppen durch Social Media

Der Instagramm-Account habe inzwischen 1.700 Follower. Durch Social-Media-Auftritte will man vor allem die jüngeren Waldbesitzer erreichen, aber auch Waldliebhaber und Waldnutzer. Jeder in der Öffentlichkeitsarbeit investierte Euro sei „gut angelegtes Geld“, fand BWO-Beiratsmitglied Rolf Eberhardt, Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluh. Landrätin Indra Baier-Müller pflichtete ihm bei: „Nur über social Media können wir die jüngere Zielgruppe erreichen“. Deshalb sollen beide Schienen – das Magazin und der Account – weiterhin betrieben werden.

Regionale Holznutzung von hoher Bedeutung

Klaus Dinser und Johann Jordan, Vorsitzender der FBG Oberallgäu, betonten im Laufe der anschließenden Diskussion die Bedeutung einer aktiven und regionalen Holznutzung und die Weiterverarbeitung von Holz in regionalen Betrieben. Dies sei erforderlich, um die Nachfrage im Inland befriedigen zu können. Und es sei wesentlich nachhaltiger, als wenn das Holz aus dem europäischen Ausland importiert werden würde. Diese regionalen Produktions- Liefer- und Veredlungsketten müssten unbedingt aufrechterhalten werden.

Zusammen mit der Jägerschaft für gesunde Waldbestände

Auf Nachfrage von Landtagsabgeordneten Dr. Leopold Herz erläuterten Florian Schwarz und Revierleiter Marcus Fischer, wie sehr der jagdliche Erfolg vor allem vom Engagement des jeweiligen Jagdvorstands und der entsprechenden Jäger vor Ort abhängt.

Peter Freytag, Vorsitzender der WBV Westallgäu, untermauerte dies und wies darauf hin, dass die WBV Westallgäu in den vergangenen Jahrzehnten permanent versucht habe, die Jagdvorstände und die junge Jägergeneration von einer waldorientierten Bejagung und den Vorzügen eines Mischwaldes zu überzeugen. Auch bemühe man sich beständig, die Waldgesinnung der Grundeigentümer positiv zu beeinflussen.

Klaus Dinser und Johann Jordan ergänzten, dass durch das Fehlen von Rot- und Gamswild im Jagdrevier auch keine weiteren Wildschäden an der Waldverjüngung zu erwarten seien, sobald diese dem Äser des Rehwilds entwachsen sei. Klaus Dinser betonte nochmals, dass die Forstverwaltung eine waldorientierte Bejagung im Rahmen eines nachhaltigen Abschusses fordere. Keinesfalls aber wolle man eine Ausrottung aller Schalenwildarten.
Zum Abschluss wies Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten am AELF Kempten, darauf hin, dass die Jagd eine Daueraufgabe sei und man immer am Ball bleiben müsse. Dies sei deshalb so wichtig, damit sich alle Hauptbaumarten verjüngen und gefahrlos aufwachsen können. Nur so könne ein Mischwald und damit eine Streuung des Risikos erreicht werden.