Forstlicher Wettbewerb am Spitalhof
Sägen, beurteilen, pflanzen: Können und Konzentration gefordert

84 angehende Landwirtinnen und Landwirte aus den Berufsschulen Kempten und Marktoberdorf traten im April 2026 zum forstlichen Wettbewerb am Spitalhof an. Die Teilnehmer aus den 11. und 12. Klassen stellten dabei ihr Wissen und ihr praktisches Können rund um die Waldarbeit unter Beweis. Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt und ist fester Bestandteil der landwirtschaftlichen Ausbildung. Organisiert wird die Veranstaltung von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) Kaufbeuren und Kempten.

Den Auftakt bildete am Vortag ein schriftlicher Wissenstest. Gefragt waren Kenntnisse in Waldbewirtschaftung, zur Unfallverhütung und zu ökologischen Zusammenhängen. Am Wettbewerbstag selbst stand die Praxis im Mittelpunkt. An insgesamt vier Stationen wurde geprüft, wie sicher und fachgerecht die Auszubildenden im Wald arbeiten können. So mussten die Teilnehmer die Qualität von Forstpflanzen aus der Baumschule beurteilen und begründen, warum sie verwendet werden können oder auch nicht. Anschließend galt es, die jungen Bäume fachgerecht zu setzen. Entscheidend war dabei, ob Wurzeln, Pflanzabstand und Ausführung den Anforderungen entsprachen.

Fehler an der Motorsäge
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Beurteilung einer „präparierten“ Motorsäge. Die Teilnehmer mussten Mängel und sicherheitsrelevante Defekte erkennen und benennen, etwa ein fehlender Kettenfangbolzen oder ein verstopfter Luftfilter. „Mängel in diesen Bereichen können im Ernstfall zu schwerwiegenden Unfällen führen“, so Robert Baldauf, Förster am AELF Kempten.
Persönliche Schutzausrichtung und Stockbeurteilung
Auch die persönliche Schutzausrüstung bei der Arbeit mit der Motorsäge musste genau überprüft werden. Vom Helm mit Visier über Gehörschutz bis hin zur Schnittschutzhose mussten die Teilnehmer zeigen, dass sie die Anforderungen an eine sichere Ausrüstung kennen und bei welchen Mängeln sie ausgetauscht werden muss. Teil dieser Station war auch die sogenannte „Stockbeurteilung“. Dabei mussten die Auszubildenden an einem frisch geschnittenen Baumstock typische Fehler und Schäden bei der Baumfällung erkennen, etwa Fäulnis, Risse oder eine unsaubere Schnittführung.
Herausfordernde Disziplin
Als anspruchsvollste Disziplin gilt das Anlegen eines Fallkerbs und der Fällschnitt mit der Motorsäge. Hier zeigten die Teilnehmer, dass sie die Schnitttechnik auch praktisch präzise ausführen können. Der Fallkerb musste im exakten Winkel geschnitten werden. Entscheidend waren auch eine saubere Bruchleiste, ein strukturierter Arbeitsablauf und die Fähigkeit, Gefahren richtig einzuschätzen und diese vorzubeugen. Thomas Tanzer, Ausbildungsleiter am AELF Kempten, betonte: „Die Arbeit mit der Motorsäge ist eine der gefährlichsten Arbeiten im späteren Berufsleben. Eine solide Ausbildung, eine gute Ausrüstung und regelmäßige Übung tragen hier maßgeblich zur Verhinderung von Unfällen bei.“
Hervorragende Leistungen
Nach dem Praxisteil und der Auswertung des Ergebnisses warteten die Teilnehmer gespannt auf das Ergebnis bei der Siegerehrung. Im Beisein der Ausbilder, Prüfer und Organisatoren erhielten die Teilnehmer vom Behördenleiter des AELF Kempten, Rainer Hoffmann, und von Petra Angerer, vom AELF Kaufbeuren, ihre Urkunden und konnten sich wertvolle Preise aussuchen.
Den ersten Platz sicherte sich Clara Karg aus Bad Hindelang mit 374 Punkten. Sie überzeugte durch ihr großes Wissen, ruhiges Arbeiten und ein sicheres Auftreten an allen Stationen. Die besten fünf Teilnehmer qualifizierten sich für den bayerischen Landesentscheid im Mai.
Gut ausbildete Nachwuchskräfte
Der Forstliche Wettbewerb zeigte, wie vielseitig die Anforderungen an angehende Landwirte sind. Neben Fachwissen sind vor allem Praxis, Umsicht und Konzentration gefragt, Fähigkeiten, die im Arbeitsalltag eine zentrale Rolle spielen. „Gut ausgebildete Nachwuchskräfte sind entscheidend für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der Wettbewerb macht sichtbar, welch großes Potenzial in der nächsten Generation steckt“, stellt Simon Östreicher, der Bereichsleiter Forsten des AELF Kempten, stolz fest. Ermöglicht wurde die Preisvergabe auch durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren, die Preise zur Verfügung stellten. Die Veranstalter sprechen hierfür ihren herzlichen Dank aus.
  1. Clara Karg, Bad Hindelang – 374 Punkte
  2. Matthias Kari, Vierkirchen – 359 Punkte
  3. Johannes Wassermann, Günzach – 358 Punkte
  4. Florian Göppel, Kaufbeuren – 354 Punkte
  5. Fabian Huber, Haldenwang – 354 Punkte
  6. Jannik Steinhauer, Amberg – 352 Punkte
  7. Bettina Natterer, Böhen – 350 Punkte
  8. Johannes Sprenger, Jungholz – 346 Punkte
  9. Christoph Hausmann, Steingaden – 339 Punkte
  10. Immanuel Mayer, Missen – 339 Punkte
  11. Anni Zeller, Burgberg – 339 Punkte

Interview mit der Bestplatzierten
Clara Karg aus Bad Hindelang gewinnt den Forstlichen Wettbewerb

Clara Karg ist keine, die lange überlegt – sie macht einfach. Locker, offen und mit einer guten Portion Selbstvertrauen sicherte sich die angehende Landwirtin aus Bad Hindelang mit 374 Punkten den ersten Platz beim forstlichen Wettbewerb. Sie besucht derzeit die 11. Klasse der Berufsschule in Kempten und absolviert ihre Ausbildung auf dem Funkenhof in Unterthingau.
Clara, was ist dir durch den Kopf gegangen, als klar war, dass du gewonnen hast?

Ich habe mich riesig gefreut. Schließlich habe ich meinen Brüdern versprochen, die Motorsäge – den Preis für den ersten Platz des Wettbewerbs – mit nach Hause zu bringen. Aber es ist einfach auch wirklich gut gelaufen.

Was hat für dich den Unterschied gemacht?

Ich habe mir Zeit gelassen und ruhig gearbeitet. Und ich habe viel „geschwätzt“. Ich habe kein Problem damit, das ist vielleicht ein Vorteil.

Schwätzen als Erfolgsfaktor?

Ja, schon. Man erklärt, was man macht, und wirkt dadurch sicherer.

Hast du dich gezielt vorbereitet?

Nein, ich habe daheim nicht extra geübt. Ich bin einfach so reingegangen.

Du kommst selbst nicht von einem klassischen landwirtschaftlichen Betrieb, ihr bewirtschaftet aber eine Alpe. Hat dir das geholfen?

Meine Familie bewirtschaftet die Alpe Plättele im Hintersteiner Tal. Wir haben auch Wald, aber für den Wettbewerb habe ich dort nicht trainiert.

Was würdest du anderen jungen Frauen mitgeben?

Dass man sich nicht unterschätzen soll. Gerade als Frau sollte man sein Können nicht anzweifeln.

Was stellst du dir für deinen weiteren beruflichen Weg vor?

Ich mache erst einmal meine Ausbildung fertig. Danach möchte ich auf jeden Fall weiter praktisch arbeiten. Einen reinen Bürojob kann ich mir aktuell gar nicht vorstellen.